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Please, chat with me!

Frauen werden oft angesprochen, besonders im Internet. Wer sich hinter den Profilen verbirgt, wissen wir nicht. Eines kommt ins Licht. Es gibt viele einsame Menschen, die einfach Bedürfnis haben mit jemanden zu reden. So nehmen wir chaten als etwas natürliches. Am Anfang. Wenn die Gefühle ins Spiel kommen, wird es ernst. Es fängt ganz harmlos an. Bis sich herausstellt, eine von den beiden hat schon starke Gefühle entwickelt. Wenn es soweit ist, sind "normale" Manipulationen einer davon ganz Recht.  Es fängt das an, was die Wissenschaftler "cyber mobbing" nennen. Ich habe auch sowas erlebt, aber mir bewusst reingelassen, um den Stoff für eine neue Geschichte zu bekommen:)
Hier eine Geschichte von der Autorin Dorothee Sargon.
Auf die Probe...fertig...los!:)

Please, chat with me! 

Bei ihren Touren durchs Internet trifft Katharina auf den Australier Michael, der zunächst penetrant anhänglich wirkt und ihr damit auf die Nerven geht. Woher weiß er von den tief in ihrer Seele schlummernden, dunklen Geheimnissen? Was will dieser Kerl von ihr? Warum belästigt er sie? Facebook-Freundschaft hin oder her, aber was noch? Er gibt nicht auf … 
Im Chat entwickeln sich lange Gespräche. Michael gibt vor, sich unsterblich in Katharina verliebt zu haben. Beide durchleben eine nicht alltägliche Art von Beziehung, über Tausende von Kilometern hinweg. Katharina wird mit Fragen konfrontiert, mit denen sie sich nie beschäftigt hat. 
Fragen, die lange Zeit unbeantwortet bleiben, und selektiv auch nie beantwortet werden können ...

"Der Tag war rasend schnell vergangen, es wurde Zeit, sich bei Facebook einzuloggen. Michael wartete schon. Michael: Hallo liebe Katharina, ich hoffe, bei dir ist alles okay. Die Tatsache, dass du gestern so schnell verschwunden warst, macht es mir nicht leichter, dir mein Wissen mitzuteilen. Ich erzähle dir etwas, es betrifft einzig und allein dich. Jetzt jedoch nur einen Bruchteil. Ich will dich nicht erschrecken. Später, wenn wir uns besser kennen, erfährst du mehr. Erinnerst du dich an die Fehlgeburt 1971, als du im dritten Monat schwanger warst? Du warst 17 Jahre alt. Es tut mir leid, dir einen Teil meiner Kenntnisse gleich zu Anfang mitzuteilen, ich möchte, dass du mir vertraust. Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gelesen hatte, mir blieb die Spucke weg. Daran änderte sich auch nichts durch krampfhaftes Schlucken. Mich fror. Woher bezog er dieses Wissen? Niemand hatte damals etwas über meine Schwangerschaft erfahren, nur meine Eltern und mein Freund. Ich war aufgewühlt, alle verschütteten Erinnerungen kamen wie eine Flutwelle über mich. Mitten auf der Straße war ich zusammengebrochen. Blut lief mir als Sturzbach an den Beinen herunter und bildete zwischen meinen Füßen eine große Lache. Fremde Menschen mit aufgerissenen Augen hatten sich erschrocken um mich gekümmert, selbstlos Kleidung geopfert, sodass ich bequem auf einer Bank gebettet werden konnte, bis die Ambulanz kam. Eine Frau hatte beherzt meine Beine hochgehalten, um die Blutung zu stillen, und damit ich nicht ohnmächtig wurde. Aber es war zu spät. Ich verlor mein geliebtes Baby im Krankenhaus. Und der Vater meines Kindes hatte mich sang- und klanglos verlassen, als er von meiner Schwangerschaft erfuhr. Verächtlich wie üblich zog ich die Mundwinkel abwärts. Männer! Spaß wollen sie alle haben, aber wenn es um Verantwortung geht, suchen sie schnellstmöglich das Weite. Damals war ich in ein tiefes Loch gefallen, hatte Depressionen und fand nur sehr schwer ins Leben zurück. Einziger Lichtblick in dieser schlimmen Zeit waren meine Eltern, die voll hinter mir standen, Halt gaben und trösteten. Mit der Wahl meines Freundes waren sie nie einverstanden gewesen. Deshalb hatte ich auch ewig Ärger. Heute weiß ich, dass die Sorgen meiner Eltern berechtigt waren. Ich war erschüttert und hilflos. Wieso kannte ein fremder Mann mein Geheimnis? Das alles musste ich erst einmal verarbeiten und beendete den Chat, ohne weiter auf das Geschriebene einzugehen. Missbehagen überfiel mich wie ein Faustschlag. Ich: Meine Zeit ist begrenzt, über deinen Bericht muss ich nachdenken. Ich sehe, wenn du online bist, und werde mich melden. Meine Finger zitterten, als ich die kurze Mitteilung schrieb, schnell loggte ich mich aus. Sekundenlang saß ich erstarrt auf meinem Stuhl. Wie eine Geschwulst hatte sich das Geschriebene in meinem Kopf eingenistet. Meine Gedanken drehten sich im Kreis, mein Herz klopfte, das Blut schoss mir in den Kopf und erzeugte einen dumpfen Druck. Nur jetzt keine Kopfschmerzen, dachte ich in Panik. Je länger ich grübelte, je mehr Zweifel kamen. Nach einer Weile, die mir wie eine Ewigkeit erschien, tat ich das Gelesene als Humbug ab."
@Dorothee Sargon

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